Wir sind gekündigte Bergleute die seit Jahrzehnten malocht haben!
Warum kündigt RAG gerade uns?
Es war einmal im Jahr 2007, da beginnt unser Märchen. Oder sagen wir besser: der Alptraum der Bergleute, der vom angeblich sozialverträglichen Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus handelt. Damals wurden die Bedingungen für den Austieg festgelegt: im Steinkohlefinanzierungsgesetz. Das geschah natürlich im Beisein unserer Gewerkschaft IGBCE, der wohl schlechtesten Gewerkschaft aller Zeiten. Aber dazu kommen wir später.
Das Geburtsjahr ist das einzige soziale Auswahlkriterium
Offiziell möchte das Gesetz geregelt haben, dass die älteren Bergleute in Vorruhestand gehen können, die jüngeren RAG Mitarbeiter sich z.B. über Abfindungszahlungen auf dem Arbeitsmarkt neue Jobs suchen. Das hört sich doch erstmal total sozial an! Der Fehler: das Geburtsjahr ist das einzige soziale Auswahlkriterium. Drei von den vier gesetzlichen Kriterien der Sozialauswahl werden ausgehebelt: die Betriebszugehörigkeit, Unterhaltspflichten oder bestehende Schwerbehinderungen. Es ist also völlig egal, ob Jemand Jahrzehnte im Bergbau malocht hat, oder nur 13 Jahre. Oder ob Jemand Schwerbehinderungen hat oder schulpflichtige Kinder. Hauptsache er hat das richtige Geburtsjahr (unter Tage bis 1972 / über Tage bis 1964)
Mal ein krasses Beispiel zum Verständnis: ein gesunder, kinderloser, unverheirateter Bergmann hat 20 Jahre malocht und das richtige Geburtsdatum, sagen wir 31.12.1972. Der Bergmann hat Glück, er geht mit 50 Jahren in Vorruhestand. Sein Kumpel ist vielleich einen Tag nach ihm geboren, am 01.01.1973. Er hat 30 Jahre malocht, hat Familie und schulpflichtige Kinder, vielleicht sogar noch eine Schwerbehinderungen. DER bekommt die Kündigung! Einige von den Gekündigten sind bereit, sich hier kurz vorzustellen.
Wir haben auf Vieles verzichtet damit es keine Kündigungen gibt
Bereits 1997 haben alle Beschäftigten der RAG, natürlich auch wir, einen gemeinschaftlichen Kampf mit Demos und verschiedenen anderen Aktionen ausgefochten. Das hat ursächlich dazu beigetragen, dass der Bergbau noch so lange betrieben werden sollte, dass es zu einem sozialverträglichen Auslauf der Steinkohle kommen kann. Dafür haben auch wir, die Gekündigten, bereitwillig Lohnkürzungen in Kauf genommen, über ein Jahrzehnt auf Lohnerhöhungen und die Hälfte unsers Weihnachtsgelds verzichtet und auch die Streichung von Jubiläumsgeldern und unseres Kohlendeputates hingenommen. Und wurden dennoch jetzt betriebsbeding gekündigt! Wie geht das eigentlich?